6. Februar Internationaler Tag “Null Toleranz“ gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung/Beschneidung (FGM/MGF)

Dr. Pierrette Herzberger-Fofana

Dr. Manuel Pina

2003 proklamierte die UNO den 6. Februar zum Aktionstag „Null Toleranz gegenüber weiblicher Beschneidung oder Genitalverstümmelung (Femal Genital Mutilation FGM/Mutilations Génitales Féminines MGF)“. Ziel dieses Aktionstages ist es bis 2030 die Genitalverstümmelung auf der ganzen Welt abzuschaffen. Die Realität sieht aber anders aus. So ist zwar die Zahl der beschnittenen Frauen zurückgegangen. Dennoch leiden schätzungsweise weltweit knapp 150 Millionen Frauen unter diesem Brauch. In Europa sind mehr als 500 000 Frauen und Mädchen davon betroffen.

©PHF Elangen 9.2.19.Roll up von S.E. Fatoumata Siré Diakhité (1948-2016)ehemalige Botschafterin Mali in Berlin,eine engagierte Frau im Kampf gegen die FGM

Durch verstärkte Zuwanderung von geflüchteten Mädchen und Frauen aus den Hochburgen der weiblichen Beschneidung (Somalia, Äthiopien, Eritrea, aber auch Kurdistan, Irak und die Länder des mittleren Ostens und Asiens) hat das Thema in den letzten Jahren auch in Deutschland an Brisanz gewonnen. Nach einer Studie des Bundesfamilienministeriums von 2017 gibt es in Deutschland schätzungsweise 50.000 betroffene Frauen und 4000 bedrohte Mädchen.

Mit Ausnahme der Aussage eines ägyptischen Arztes, der 1996 vor laufender Kamera erklärt hatte, auf Verlangen seiner Patientinnen einen solchen Eingriff in Berlin durchgeführt zu haben, ist zwar kein Fall von FGM/MGF bekannt, der auf deutschem Boden verübt würde – trotzdem ist Wachsamkeit geboten. Mädchen und Frauen auf der ganzen Welt haben das Recht unversehrt zu bleiben – dazu zählen auch diejenigen die in Europa aufwachsen und leben.

©PHF.Die Teilnehmer’innen am 9.2.19 in Erlangen

In allen europäischen Ländern ist die Genitalverstümmelung strafbar. Neben der Aufklärung braucht es aber auch Prävention, um Mädchen zu schützen. Wiederholt fordert das Inter Afrikanische Komitee IAC (Comité inter-Africain CI-AF/Inter African Committee IAC): Politischen Entscheidungen sollten konkrete gesamtgesellschaftliche Aktionen folgen, damit das „Null Toleranz“ Ziel bis 2030 erreicht werden kann.

Die Charta der afrikanischen Menschenrechte erkennt ausdrücklich die Genitalverstümmelung als Menschenrechtsverletzung an und spricht sich für ein generelles Verbot in allen afrikanischen Ländern aus. Bis heute haben 25 von den 29 betroffenen afrikanischen Ländern, Gesetze verabschiedet, um diesen traditionellen Brauch abzuschaffen. Die Geschichte lehrt, dass die Verabschiedung eines Gesetzes nicht zwangsläufig mit einem Bruch an Tradition einhergeht oder  eine Mentalitätsveränderung bedeutet.

Seit Juni 2013 erfüllt die Genitalverstümmelung in Deutschland den Straftatbestand der schweren Körperverletzung (Art226a StGB).

Es ist uns gelungen Dr. med. Manuel Pina, Frauen- und Facharzt für reproduktive Gesundheit, Geburtshelfer und internationaler Berater bei der „Organisation Mondiale de la Santé“ (World Health Organisation WHO) nach Erlangen einzuladen. Er wird über seine Erfahrungen im Senegal als Geburtshelfer berichten. Am 5. Februar nimmt er in Aachen bei Prof. O’Dey – Facharzt und Spezialist für rekonstruktive Chirurgie weiblicher Geschlechtsmerkmale – an einer Operation, d.h. genauer an einer Defibulation einer Patientin aus Gambia teil, die mit ihm nach Deutschland gekommen ist. Gemeinsam wollen wir den Fragen nachgehen: Was ist unter weiblicher Genitalbeschneidung aus der Sicht des Mediziners zu verstehen? Wie geht Europa mit Frauen um, die vor FGM/MGF fliehen? Wie unterstützt Europa die afrikanischen Länder bei der Überwindung dieser alten Traditionen?

Dr. Manuel Pina (©PHF)

Wir, die Veranstalter*innen, unterstützen alle Menschen auf der ganzen Welt, die mit Respekt vor anderen Kulturen zur Abschaffung der Genitalverstümmelung beitragen. Denn wir kämpfen nicht gegen die Tradition, sondern für das Ende eines Gewaltaktes, der gesundheitsgefährdende Auswirkungen auf das Leben vieler Frauen und Mädchen hat und eine Menschenrechtsverletzung darstellt.

Wir freuen uns über eine rege Diskussion und laden alle Interessierten herzlich ein.

Diese Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit Bündnis90/Die Grünen, FORWARD-Germany  und der Evangelischen Studierenden Gemeinde Erlangen durchgeführt.

Die Moderation übernimmt Frau Dr. Pierrette Herzberger-Fofana, Stadträtin in Erlangen, Grüne Listenkandidatin für die Europawahl und Expertin im Bereich FGM/MGF. Sie ist Vorsitzende von DaMigra, dem Dachverband der Migrantinnenorganisationen, Gründungsmitglied und langjährige Vorsitzende von FORWARD-Germany e.V. Aktion gegen ritualisierte Gewalt an Frauen und Mädchen.

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