100 Jahre Frauenwahlrecht Merkel würdigt Afrika als Vorbild

Bei einer Feierstunde im Deutschen Historischen Museum wies die Kanzlerin darauf hin, dass in einigen Parlamenten mehr Frauen sitzen.

Die Kanzlerin und die Bundesfamilienministerin mit den „Helene Weber“ Preisträgerinnen.Berlin 12.11.18-Ganz rechts (blaues Kleid) Dr.Franziska Giffey, die Bundesfamilieministerin

Am 12. November 1918, einen Tag nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, brachte der Rat der Volksbeauftragten eine große Wahlrechtsreform auf den Weg, durch die auch das Frauenwahlrecht eingeführt wurde. „Alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften sind fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht auf Grund des proportionalen Wahlsystems für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen.“ Dieser Satz   änderte auf einen Schlag die politische Landschaft und bereitete somit den Eintritt und die aktive Partizipation der Frauen in das deutsche Parlament.

Historisches Museum Mit Dr.Franziska Giffey, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Vor genau 100 Jahren war die Geburtsstunde eines neuen Wahlrechts: Zum ersten Mal in der deutschen Geschichte durften Frauen wählen und gewählt werden. Marie Juchacz,Begünderin der Arbeiterwohlfaht und als Abgeordneteder Nationalversammlung,ist die erste Frau, die in einem deutschen Parlament eine Rede am 19.Januar 1919 gehalten hat. Sie brachte auf den Punkt, was Millionen von Frauen bereits dachten:

„Ich möchte hier feststellen …, dass wir deutschen Frauen dieser Regierung nicht etwa in dem althergebrachten Sinne Dank schuldig sind. Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit: sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden“

Dr.Pierrette Herzberger-Fofana, „Helene Weber“Preisträgerin 2009

  • In ihrer Rede im historischen Museum betonte die Kanzlerin, dass die Quote notwendig war aber, „Das Ziel muss Parität sein“ sagte Angela Merkel.
  • Die Quoten waren wichtig, aber das Ziel muss Parität sein – Parität überall, ob in der Politik, in der Wirtschaft, in der Verwaltung und eben auch in der Wissenschaft und im Übrigen auch im kulturellen Bereich
  • Sie würdigte die Afrikanische Union und insbesondere Ruanda. Ruanda hat weltweit z.Zt. die höchste Anzahl von Frauen im Parlament. In der Afrikanischen Union ist die Parität Realität. Merkel nennt Afrika als Vorbild. Und sagte

Der Frauenanteil im Parlament des Sudan sei so hoch wie in Deutschland, in Ruanda liege er gar bei 61 Prozent und in der Afrikanischen Union seien die Kommissionen paritätisch mit Männern und Frauen besetzt.“

Mit 30% Frauenanteilim Bundestag ist Deutschlandauf dem Stand von Süd Sudan und damit auf diesem Gebiet ein Entwicklungsland. In der jetzigen Legislaturperiode ist der Frauenanteil im Bundestag deutlich gesunken – von 37,1 auf 30,9 Prozent. 100 Jahre später liegt der Anteil der Frauen im Bundestag immer noch bei nur 30 Prozent.

Dr.Agel Merkel, mit der Bundesfamilienministerin,Dr.FranziskaGffy und den „Helene Weber“ Preisträgerinnen, Dr. Sylvie Nantcha,(ganz rechts Preisträgerin 2013)

Die kanzlerin fügte hinzu:

„Wir müssen aufpassen, dass wir in unserer manchmal fast überheblichen Art in Europa nicht immer denken, dass es woanders vielleicht noch nicht so gut ist. Die Frauen in Afrika spielen zum Beispiel eine ziemlich große Rolle. Und es ist auch richtig, dass wir sie über Entwicklungspolitik fördern“.

Mit Alice Schwarzer.Berlin Historisches Museum

 

Größerer Einfluss von Frauen auf die Politik

Politikerinnen aller Bundestagsparteien forderten einen größeren Einfluss von Frauen auf die Politik. „Mir ist wichtig, dass Frauen wählen gehen.Genauso wichtig  ist es,  dass mehr Frauen für politische Ämter kandidieren und gewählt werden. Dann bewegt sich nämlich auch mehr für Frauen“, sagte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) in ihrer Festrede.

Bundesfamilienministerin und den „Helene Weber“ Preisträgerinnen Dr. Sylvie Nantcha,(ganz rechts Preisträgerin 2013)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Grünen sprachen sich für eine gesetzliche Quote aus. „100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts ist ein solcher Schritt überfällig; von selbst steigt der Frauenanteil im Parlament offensichtlich nicht“, kritisierten Parteichefin Annalena Baerbock und die frauenpolitische Sprecherin Gesine Agena. Die Grünen haben strikte Regeln zur Förderung von Frauen und setzen in Partei und Fraktion auf Doppelspitzen mit mindestens einer Frau.

Mit Ulle Schauws, Bundestagsabgeordnete „Bündnis 90/die Grünen“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von den 67 Grünen-Abgeordneten im Bundestag sind 39 Frauen. Für die Grünen kritisierten Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt und die frauenpolitische Sprecherin Ulle Schauws, dass in der Bundesregierung nur ein Viertel der Staatssekretäre weiblich sind.

Prof.Rita Süsmuth,(3.l) ehemalige Präsidentin des Bundestags und die Oberbürgermeisterin von Köln Frau Henriette Reker(5.vl) und mit den Mitgliedern des Dachverbandes der Migrantinnenorganisationen (DaMigra).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Bundesfamilienministerin sprach sich in ihrer Rede auch dafür aus, die Lohnungleichheit zwischen Mann und Frau zu beseitigen. Zudem ist festzustellen, dass  Armut sexistisch ist: Je ärmer ein Land ist, desto krasser ist die Geschlechterungleichheit. Über 130 Millionen Mädchen gehen nicht zur Schule. Insbesondere in den ärmsten Ländern bleibt ihnen der Bildungszugang häufiger verwehrt als Jungen und 650 Millionen Frauen auf der Welt wurden bereits als Kinder verheiratet. Über 100 Millionen Frauen sind Opfer von Genitalverstümmelung und sexuellen Misshandlungen. Eines von drei Mädchen wird in seinem Leben sexuelle oder physische Gewalt erfahren. Laut der Mädchenrechtsorganisation „Girls Not Brides“ glauben fast die Hälfte aller Mädchen zwischen 14 und 19 Jahren, dass ein Ehemann das Recht hat, seine Frau zu schlagen.  Laut dem statistischen Bundesamt wurden in Deutschland im Jahr 2018 bislang 114 787 Frauen Opfer von häuslicher Gewalt und 194 Frauen wurden ermordert. Diese Zahlen sind erschreckend.

Mit der Bürgermeisterin von Köln, Frau Henriette Reker

Sicherlich es sind viele positive Errungenschafen erreicht wie: dass erst seit 1977 eine Frau nicht mehr das Einverständnis ihres Ehemannes einholen muss, wenn sie arbeiten möchte. Und Vergewaltigung in der Ehe ist erst seit 1997 strafbar. Elternzeit, Elterngeld, der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz erleichtern es den Müttern, wieder in den Beruf einzusteigen

Die mächtigste Frau der Welt möchte zwar auch nicht als Feministin oder als „Alibi“ bezeichnet werden. „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“ sagte Angela Merkel scherzhaft.

Das hatte die Bundeskanzlerin  zum ersten Mal 2017 beim Women20-Gipfel in Berlin erwähnt und später bei einem Brigitte-Interview bekräftigt. Diese Haltung schlägt sich in ihrer Politik nieder. Aber in ihrer Rede sprach sich die Bundeskanzlerin klar für die Parität und für mehr Frauen in Führungsposition in der Wirtschaft, in der Wissenschaft in den Medien und  Kultur und in der Wissenschaft aus.

„Für den öffentlichen Dienst hat sich die Regierungskoalition zum Ziel gesetzt, bis 2025 eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in allen Führungspositionen zu erreichen „

Wenn alle Parteien dafür sind, dass auch mehr Frauen den Weg in die Politik eintreten, dann ist es zu hoffen, dass mehr Migrantinnen als Kandidatinnen auf der Landesliste, für die höchsten politischen Gremien wie Bundestagwahl, Europa- und Kommunalwahl einen angemessenen Platz zugewiesen wird, denn dass Migrantinnen ihren Platz in der Politik erobern, verlangt viel Mut.

Die vielgepriesene Vielfalt wird zur Realität wenn alle Frauenunabhängig von ihrer Herkunft die Möglichkeit haben zu kandidieren und gewählt zu werden: Dann werden sie auch keine Besonderheit mehr darstellen. Diese Sternstunde wird das Zeichen eines gelebten Demokratie und die Vielfalt Realität sein, -damit wird Menschenrecht bzw.Frauenrecht in unserem Land verwirklicht.

Dr.Pierrette Herzberger-Fofana

 

 

 

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